Deutsches Ärzteblatt | DOI: 10.3238/arztebl.2021.RiliOrgaWlOvHerzTx20210907
B E K A N N T G A B E N   D E R   H E R A U S G E B E R 
Richtlinien zur Organtransplantation  
gem. § 16 TP

https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/RL/RiliOrgaWlOvHerzTx20210907.pdf

Den Link kopieren und einfügen

Statistiken zur Organtransplantation im Überblick

Hier finden Sie sieben monatlich aktualisierte Grafiken zur Transplantation in Deutschland.


Aktuelle Statistik


 




Quelle: DSO

 

 

Am häufigsten wurde 2020 eine Niere postmortal gespendet – exakt 1447 Mal. Somit war fast jedes zweite Spenderorgan eine Niere (49 Prozent). Es folgen die Leber (746, 25 Prozent), Lungen (342, 12 Prozent) und Herzen (320, 11 Prozent).




Organspender: Höchste Quote in Hamburg

Insgesamt gab es in Deutschland im vergangenen Jahr 913 postmortale Organspender. Die meisten von ihnen stammten aus Nordrhein-Westfalen – zumindest, was die absoluten Zahlen angeht. 174 Spender waren in NRW registriert, danach kamen Bayern (131) und Baden-Württemberg (107).

Aussagekräftiger ist aber ein Vergleich der Spender-Quote pro eine Million Einwohner (siehe nachfolgende Grafik). Und da zeigt sich das beste Verhältnis in Hamburg (26,0 Spender pro eine Million Einwohner), vor Saarland (22,3) und Mecklenburg-Vorpommern (16,8). Der bundesweite Durchschnitt lag bei 11,0 Spendern pro eine Million Einwohnern. 2019 hatte er 11,2 betragen.

Dominotransplantation


Nach der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO):
Wird einem Patienten ein Organ, das versagt hat, entnommen und durch ein gespendetes Organ ersetzt, können noch gesunde Teile des entnommenen Organs (z.B. Herzklappen, Leberteile) einer weiteren Person transplantiert werden. Die Dominospende ist eine Sonderform der Lebendspende und muss die entsprechenden gesetzlichen Anforderungen erfüllen. 

Leber

Eine spezielle Stoffwechseldysfunktion der Leber (Amyloidose) kann verschiedene innere Organe schädigen (Herz, Gastro-Intestinaltrakt sowie peripheres Nervensystem). Ein solcher Patient ist ein Kandidat für eine Lebertransplantation und kann gleichzeitig seine Leber spenden. Der Patient benötigt eine neue Leber, weil die Dysfunktion schon weitere Organe angegriffen hat und er sonst zu sterben droht. Mit der Leberübertragung ist der Defekt beseitigt. Seine Leber (mit dem Enzymdefekt) ist aber ansonsten funktionell und anatomisch in Ordnung. Diese Leber kann auf einen anderen Menschen übertragen werden, weil der zu erwartende Organbefall durch die Dysfunktion erst in 20 bis 30 Jahren zu erwarten ist. Ältere Patienten sind daher Kandidaten für eine solche Übertragung, wenn sie wegen des bestehenden Organmangels akut zu sterben drohen. 

Herz-Lunge

Bei Lungentransplantationen kann es aus operationstechnischen Gründen nötig sein, Herz und Lunge einer Person gemeinsam zu transplantieren. Das dem Patienten entnommene, gesunde Herz kann einer weiteren Person gespendet werden.

Quelle: http://www.gbe-bund.de/glossar/Dominotransplantation.html

 

9192 Bundesbürger stehen auf der Warteliste

Noch immer werden in Deutschland viel weniger Organe gespendet als benötigt werden. 9192 Patienten standen Ende des Jahres 2020 bei Eurotransplant auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Die mit Abstand größte Nachfrage besteht bei Nieren (7338). Es folgen Lebern (891) und Herzen (700).

Zum Vergleich: Vor zehn Jahren war die Reihenfolge dieselbe – wenn auch mit einem weitaus größeren Bedarf: 2010 fehlten 7869 Nieren, 2161 Lebern und 981 Herzen (siehe nachfolgende Grafik). Damals umfasste die Warteliste 11.562 Menschen.


 

 Angehörigenbetreuung 

Der Beistand für Angehörige von Organspendern ist ein zentrales Anliegen der DSO, das nicht nach der Organspende endet.

    

Allen Krankenhäusern bietet die Koordinierungsstelle Unterstützung bei der Angehörigenbetreuung an. Dies beinhaltet in der Akutsituation idealerweise das gemeinsame  Angehörigengespräch mit     behandelndem Arzt und DSO-Koordinator und im Folgenden die Betreuung auf der Station. Im Anschluss an die Organspende werden die Angehörigen auf Wunsch über die Transplantationsergebnisse in     einem Brief informiert. Auch nach einer Spende können sich     Angehörige mit ihren Fragen immer wieder an die DSO wenden. Viele   von ihnen nutzen zudem das Angebot der sogenannten     Angehörigentreffen, bei denen Familien von Organspendern unter     psychologischer Begleitung eine Austauschmöglichkeit finden.

   

Gespräch mit den     Angehörigen
Voraussetzung für eine Organspende ist neben dem zweifelsfrei festgestellten irreversiblen Hirnfunktionsausfall auch die Zustimmung des Verstorbenen. Vor einer möglichen Organspende werden in jedem Fall Gespräche mit den Angehörigen geführt, auch wenn eine Zustimmung vorliegt. Da bislang nur relativ wenige Menschen zu Lebzeiten eine schriftlich dokumentierte Entscheidung zur Organspende getroffen haben, werden in neun von zehn Fällen jedoch die Angehörigen um eine Entscheidung nach dem mündlichen oder dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gebeten. Ziel des Angehörigengesprächs ist es dann, die Familie bei der Entscheidungsfindung zu begleiten und eine stabile Entscheidung im Sinne des Verstorbenen zu finden. Im Idealfall sollte das Gespräch vom behandelnden Arzt zusammen mit einem Koordinator der DSO geführt werden. Denn die  DSO-Koordinatoren können den Familienmitgliedern ausführlich und ohne Zeitdruck zur Verfügung stehen und umfassende Informationen zu den Themen Organspende und Transplantation geben. Um die Koordinatoren sowie Ärzte auf diese emotional belastende Situation vorzubereiten, schult die DSO in Zusammenarbeit mit einer Psychologin ihre Koordinatoren zum Thema „Entscheidungsbegleitung für Angehörige (EfA)“ seit 2008 und bietet seit 2010 auch bundesweit Krankenhäusern Workshops zu diesem Thema an.

   

Angehörigenbefragung
Wie wichtig eine umfassende Begleitung der Hinterbliebenen ist,     zeigt eine Angehörigenbefragung der DSO-Region Mitte von 2004 bis   2017. Sie beleuchtet die Situation und Bedürfnisse der     Spenderfamilien während der Akutsituation und im Nachhinein. Die     Umfrage brachte durchweg positive Ergebnisse: Über 90 Prozent     würden wieder so entscheiden und ein Drittel gab sogar an, dass die   Organspende eine Hilfe war, den Verlust eines geliebten Menschen zu   verkraften.    

   

Angehörigentreffen
Schon früh hat die DSO erkannt, dass sich viele Angehörige eine weitere Betreuung und den Austausch mit anderen Betroffenen wünschen. Da die bestehenden Selbsthilfegruppen für Transplantierte oder Wartelistepatienten diese Lücke nicht schließen können, bieten     die DSO-Regionen Angehörigentreffen, teilweise auch mit der     Ausrichtung auf Eltern von kindlichen Organspendern, an.

   

In der DSO-Region Ost entstand der Verein zur Förderung der Organspende e. V. Nicht zuletzt setzt sich die DSO für eine höhere gesellschaftliche  Anerkennung von Organspendern und ihren Familien ein. Die Koordinierungsstelle dankt im Rahmen vieler Veranstaltungen den Organspendern und ihren Angehörigen und würdigt ihre Entscheidung.        

   

Termine von Angehörigentreffen können Sie direkt bei der     Organisationszentrale Ihrer DSO-Region erfragen.    

Dankesbriefe von Transplantierten

Für viele Empfänger ist es ein Herzenswunsch „Danke“ zu sagen. Schließlich ist das  Geschenk eines lebensrettenden Organs von unschätzbarem Wert. Es  gibt die Möglichkeit, diesen Dank in Worte zu fassen und einen Brief zu schreiben.       

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland erlauben seit dem 1. April 2019 wieder die Weiterleitung anonymer Briefe zwischen dem Organempfänger und der Angehörigenfamilie des Spenders. Die Voraussetzung ist, dass beide Seiten ihr Einverständnis dafür erteilt haben. Nach wie vor muss die Anonymität beider Seiten gewahrt bleiben. Daran hat sich mit dem neuen Gesetz nichts geändert.    

   

Für viele Angehörige ist das Lesen eines Dankesbriefes ein besonderes und sehr emotionales Ereignis. Es wird als Bestätigung aufgefasst, das Richtige getan zu haben.

   

Vielleicht haben Sie dazu Fragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Brief? Wie finde ich die passenden Worte? Wohin schicke ich den Brief? Wie geht es weiter? Mit dem Flyer "Wie kann ich Danke sagen?" möchten wir Ihnen eine kleine Hilfestellung geben.    

   

Gerne können Sie sich mit Ihren persönlichen Fragen auch an uns wenden unter:

                               dankesbrief@dso.de    



https://www.dso.de/SiteCollectionDocuments/Dankesbriefe/Flyer_Dankesbrief_Transplantierte.pdf